Heute gibt es meinerseits mal keinen Tipp für die Honoraroptimierung oder die richtige oder falsche Abrechnung, sondern heute gibt es etwas zum Nachdenken!
Das Thema: Anamnese.
Für das Praxispersonal oftmals ein lästiger Verwaltungsaufwand, genervte Patienten, die nicht verstehen, warum sie das Formular schon wieder ausfüllen müssen, sie sind doch schließlich schon ewig Patient in der Praxis. Eine nicht vorhandene Medikamentenliste, oder aber eine Vielzahl an Medikamenten in der Anamnese aufgeführt, aber keine Erkrankung angegeben, usw.
Ja, auch ich habe zu Zeiten meiner Rezeptionstätigkeit das Thema als lästig empfunden, vor allem montags, wenn eh der Bär steppt, das Telefon pausenlos klingelt und die Patienten sich die Klinke in die Hand geben. Oftmals war es ein Thema in den Teamsitzungen, zum einen um das Formular immer wieder ein bisschen zu optimieren, zum anderen aber auch oft die Diskussion, wie oft müssen/sollten die Patienten das Dokument ausfüllen, oder reicht vielleicht einfach nur eine mündliche Abfrage, ob sich etwas geändert hat?!
Allen Diskussionen und Meckereien zum Trotz, sind wir dabei geblieben, dass die Anamnese von JEDEM Patienten, JÄHRLICH neu ausgefüllt wird. Und warum? Ganz einfach: zu unserer Sicherheit und zum Schutz unserer Patienten. Wie schnell sich eine Anamnese ändern kann, musste ich gerade am eigenen Leib erfahren. Gestern noch kerngesund, heute muss ich Eliquis und Schlaganfall in meiner Anamnese ankreuzen und das mit Mitte Dreißig. Von jetzt auf gleich, ohne Vorwarnung. Wer mich heute sieht, sieht mir diesen Befund nicht an – zum Glück -, aber somit würde man wahrscheinlich auch nicht auf die Idee kommen mich zu fragen, ob ich in der letzten Zeit gesundheitliche Probleme hatte. Genau an diesem Punkt kann es extrem kritisch werden. Da bin ich seit Jahren Patient in einer Praxis, alle wissen, ich bin immer gut gelaunt und gesund, da wird man eher gefragt, wie es dem Haustier und der Familie geht oder wie der letzte Urlaub war.
Ich habe medizinisches Wissen und weiß, wie relevant mein neuer Befund ist, egal wo ich mich gerade befinde, egal ob in der Zahn-/Arztpraxis oder auf der Straße. Unsere Patienten haben aber oftmals dieses medizinische Wissen nicht und somit können sie auch nicht wissen, wie wichtig diese Informationen für uns in der Praxis sind. Ich empfinde es als unsere Aufgabe, unsere Patienten für ihre Gesundheit, aber auch ihre Krankheiten zu sensibilisieren. Oftmals sind die Patienten einfach nur überfordert mit dem medizinischen Fachchinesisch und machen einfach das, was der Arzt sagt, nämlich eine Tablette zu schlucken und gut ist. Warum, egal, wird schon richtig sein. Hier hilft dann nur, sich das Einverständnis des Patienten einzuholen, dass man den Hausarzt kontaktieren darf und sich so die ausführliche Anamnese einholt.
Tja und nun? Nun müssen Sie für Ihre Praxis entscheiden, wie Sie mit dem Thema Anamnese umgehen möchten und Ihr Team ins Boot holen.
Meine Empfehlung:
- Teambesprechung
- Gemeinsames Erarbeiten eines Praxisindividuellen Anamnesebogen – je mehr detaillierte Fragen, desto einfacher wird es für den Patienten
- Integration in den Praxisalltag – Papierform oder digital, welcher Workflow passt zu ihrer Verwaltung
- Nutzung von Softwaren und Apps – Patienten können zu Hause ausfüllen
- Mitarbeiterschulung – was ist wichtig – ggf. welche gezielten Fragen kann/muss ich stellen
- Mitarbeiterschulung – Kommunikation mit dem Patienten – Sensibilisierung für das Thema Krankheit und Medikamente – Hilfestellung z.B. Medikamentenzettel für das Portemonnaie
Eine gesetzliche Vorgabe, wie oft man die Anamnese aktualisieren lassen sollte, gibt es nicht. Die Empfehlung ist jährlich und in meinen Augen auch sinnvoll.
By the way – wie aktuell sind denn die Ersthelfer Scheine ihrer Angestellten und wann haben Sie das letzte Mal ihr Notfallmanagement und den Notfallkoffer aktualisiert?
Ich wünsche mir, dass Sie sich das Thema zu Herzen nehmen, für Ihre Sicherheit und für die Sicherheit Ihrer Patienten.
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Bis bald, eure Kim | Winter Praxismanagement